|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
" Thüringer Allgemeine " 26. Januar 2002
Kryo-Recycling vorgestellt ERFURT. Prof. Dr. med. Harry Rosin von der Universität Düsseldorf spricht heute 17 Uhr im Haus Dacheröden, Anger 37-38, über Kryo-Recycling kontra Müllverbrennung. Auf Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung stellt er ein Verfahren vor, das die im Müll vorhandenen Stoffe ganz speziell voneinander trennt und in eine wiederverwertbare Form bringt. Er erklärt auch den Energieeinsatz für dieses Verfahren.
Restmüll künftig auf Eis legen Restmüll künftig auf Eis legen Erfurt, (taz) Den Müll nicht verbrennen, sondern "auf Eis legen" , das ist umweltschonender und effizienter. Davon konnten sich diejenigen überzeugen, die am Sonnabend ins Haus Dacheröden gekommen waren. Auf Einladung der Heinrich-Böll- Stiftung und des Vereins "Bürger gegen Müllverbrennung in Erfurt" war Professor Harry Rosin gekommen, um sein Kryorecyclingverfahren vorzustellen. Der Wissenschaftler, der auch als Erfinder des FCKW-freien Kühlschrankes gilt, erläuterte, dass durch Kälteschock Restmüll spröde und mahlbar gemacht werden kann. Ein Verfahren, das eine Wiederverwendbarkeit garantiert. Bisher aber gibt es Kryo-Recycling nur als Versuchanlage, ein Investor müsste gefunden werden. Das sei eine Chance für Erfurt, waren sich die Diskussionsteilnehmer einig. Zumal, wie Stadtwirtschaftsgeschäftsführer Dietmar Schumacher sagte, zwar eine biomechanische Vorbehandlung des Restmülls beschlossen sei, aber nicht das weitere Vorgehen. Er lud Professor Rosin ein, sich mit seinem Verfahren an der Ausschreibung dazu zu beteiligen.
Lokalteil:
Den Restmüll in Erfurt künftig auf Eis legen Eine Alternative zu Müllverbrennung wurde vorgestellt Erfurt, (taz/bp) Muss der Restmüll wirklich verbrannt werden oder gibt es mit dem Kryo-Recycling nicht ein alternatives Verfahren, umweltschonender und effizienter zugleich? Diese Frage bejahte am Sonnabend im Haus Dacheröden einer, der es wissen muss: Professor Harry Rosin, der mit seiner wissenschaftlichen Arbeit die Grundlagen lieferte für den FCKW-freien Kühlschrank. Auf Einladung von Heinrich-Böll-Stiftung und Verein "Bürger gegen Müllverbrennung in Erfurt" war er gekommen und erläuterte das von ihm entwickelte Kryorecyclingverfahren, das auf Tiefstkälte basiert - der Restmüll wird gewissermaßen " auf Eis gelegt ". Das heißt, Kunststoff- und Elektronikabfälle werden kältebehandelt, zerkleinert und können einer Wiederverwendung zugerührt werden. Dies nicht mit flüssigem Stickstoff, der das Verfahren unbezahlbar machen würde, sondern in einer dreistufigen Kaskadenanlage mit den Kältemitteln Propan, Ethan und Methan, so Prof. Rosin. Minus 65 Grad seien ausreichend, um den " Kunststoffschrott " spröde und mahlbar zu machen. Dieses Verfahren würde nur ein Zehntel der Kosten verursachen wie eines auf Stickstoffbasis. " Thüringer Allgemeine " 9. Februar 2002
Eine Alternative zur Müllverbrennung Mit großem Interesse verfolgten kürzlich die Zuhörer im Haus Dacheröden die Ausführungen von Prof. Rosin (Uni Düsseldorf), der sein Kryo-Verfahren zur umweltfreundlichen Verwertung von Kunststoffabfällen unter Tiefkühlbedingungen vorstellte. Wäre das nicht eine Alternative zu einer Müllverbrennungsanlage in unserer Stadt? Die Vorteile sind überzeugend: Statt Produktion hochtoxischer Stoffe Rückgewinnung von wieder verwendbarem Kunststoff und Gummi. Unverantwortlich, wenn wegen bürokratischer Hürden der Bau einer solchen Anlage nicht in Deutschland, sondern demnächst im Ausland erfolgt. Aber hierzu ist die Politik gefordert. Erfurter Politiker vermißte ich jedoch zu dieser Veranstaltung.
Stadt geht jetzt eigenen Weg Ausschreibung zur Restmüllbehandlung Erfurt, (tlz/bp) Nachdem die Stadt Erfurt bereits im Dezember ihren Austritt aus dem Zweckverband Mittelthüringen zur Restabfallentsorgung und -behandlung erklärt hatte, ist dieser jetzt auch amtlich perfekt. Denn das Landesverwaltungsamt hat dazu die erforderliche Zustimmung erteilt. Zur Erinnerung: Weil die anderen Mitglieder des Abfallzweckverbandes Mittelthüringen, der Ilm-Kreis und der Kreis Sömmerda, sich nicht an getroffene Vereinbarungen gehalten hatten, kündigte die Stadt Erfurt ihre Mitgliedschaft auf (die TLZ berichtete). " Wir werden jetzt unseren Weg allein gehen ", erklärte gestern OB Manfred Ruge. Seit Mitte Dezember werde an der Wibera-Studie als Grundlage für die Projektierung einer Restabfallbehandlungsanlage am bereits genehmigten Standort Erfurt-Ost gearbeitet und noch in diesem Jahr solle das Ausschreibungsverfahren zum Abschluss gebracht werden. Dieses sei verfahrensoffen, so Ruge. Im Klartext: Wie der Restabfall künftig in der Landeshauptstadt behandelt wird, das soll erst nach der Bewertung der eingereichten Konzepte entschieden werden. Ökologisch sinnvoll und preiswert seien die Prämissen, die die vorgeschlagenen Verfahren zur Behandlung des Restabfalls erfüllen müssten. Auf jeden Fall sei es Ziel, ein modulares System zu installieren. " Wir werden die Restabfallbehandlung in Erfurt auch anderen Städten oder Kreisen als Serviceleistung anbieten ", erläuterte Ruge. Weimar habe schon Interesse gezeigt. Und dann müsse die Möglichkeit zu einer Erweiterung der Kapazität bestehen. " Thüringer Allgemeine " 20. Februar 2002
Erfurter
Restmüllanlage jetzt im Alleingang
Gutachten zur Verwertung
des Restmülls liegt vor Für die künftige Verwertung des Restabfalls in Erfurt liegt der Stadt jetzt ein Gutachten vor. Es untersuchte drei Varianten: die Müllverbrennung mit biologisch-mechanischer Vorbehandlung, die reine Müllverbrennung und den Mülltransport zu einer auswärtigen Anlage.
" Der Stadtrat hat sich ja zu einer systemoffenen Ausschreibung der ab 2005 gesetzlich vorgeschriebenen Anlage bekannt ", erinnerte gestern die CDU-Fraktionschefin Antje Tillmann. Den Mülltransport würden die Gutachter allerdings ausdrücklich nicht empfehlen. Die möglichen Kosten von 97 bis 132 Euro pro Tonne und Jahr lägen sehr hoch. Außerdem entstünden durch den Transport zusätzliche Umweltbelastungen. Als Variante l wurde die Müllverbrennung mit einer biologisch- mechanischen Vorbehandlung unter die Lupe genommen. Die errechneten Kosten betragen hier 95 Euro pro Tonne und Jahr. Rund sechs Euro billiger (89,33 €) käme als Variante 2 eine reine Verbrennungsanlage. " Mit der biomechanischen Vorbehandlung können mehr Stoffe vorher aussortiert werden. Das scheint mir umweltpolitisch sinnvoll ", sagt die CDU-Chefin. Die leichten Mehrkosten relativierten sich, wenn man bedenkt, dass jeder Erfurter im Jahr 100 Kilo Müll produziert. "Wir müssen nun mit den Bürgern diskutieren, um die richtige Entscheidung zu treffen". Das Gutachten setzte übrigens voraus, dass Erfurt mit einem Restabfallaufkommen von derzeit 50 000 Tonnen pro Jahr die Anlage allein betreibt. Die kalkulierten Kosten verringerten sich, wenn Fördermittel fließen und andere Kreise ihren Müll in Erfurt verwerteten. Derzeit kostet der Stadt die Verwertung einer Tonne Restmüll nur 52,66 Euro. " Dass der Preis steigt, war aber sowieso klar ", so Antje Tillmann. " Wichtig ist, dass wir eine möglichst kleine Verbrennungsanlage bauen, um die Müllvermeidung als politische Aufgabe nicht aus den Augen zu verlieren ", gibt SPD-Stadtrat Urs Warweg in einer ersten Stellungnahme zu bedenken. Dafür könnte, wenn nötig, die biomechanische Anlage etwas größer konzipiert sein.
60 Cent mehr als Investition in die Umwelt Studie rät von Müll- Transporten ab Erfurt, (tlz)
Umweltfreundlicher ist teurer: Was zu erwarten war, bringt
die "Wibera" -Studie zur Wirtschaftlichkeit von
Abfall-Entsorgungsvarianten für Erfurt auf den
Punkt.
Müllverbrennung zu hoch veranschlagt Wie aus der Presse zu erfahren war, plant man in Thüringen mit nur zirka 2,3 Millionen Einwohnern drei Müllverbrennungsanlagen (TA vom 21. März). Die Kapazität solcher Anlagen wurde in den meisten Fällen viel zu hoch eingeschätzt - und dies, obwohl nachweislich die Bevölkerungszahlen rückläufig sind. Sind aber erst einmal die Planungen angelaufen, dann ist es zu spät, deshalb ist die Bevölkerung schon jetzt aufgefordert, an den Entscheidungen mitzuwirken. Den staatlichen Stellen kann dies alles egal sein, wissen sie doch die Kosten für die Entsorgung trägt in jedem Fäll der Bürger. Wolfgang Greif, Erfurt
Kampf um die Mülltonnen Die Planung von Abfall- Verbrennungsanlagen ist für Kommunen und Bürger mit vielen Risiken belastet Die Vorbereitungen
für mehrere Müllverbrennungsanlagen in
Thüringen laufen, bis 2005 sollen sie fertig sein. Doch
drei Jahre vorher weiß noch niemand genau, wie viel
Müll dort eigentlich verbrannt werden wird.
Nur Kleinste Mengen des
Restabfalls verbrennen ERFURT (km). Die SPD hat sich für eine mechanisch-biologische Aufbereitung der Restabfälle mit einer anschließenden Verbrennung und Deponierung der Aufbereitungsstoffe entschieden. Wir wollen keine Müllverbrennungsanlag ", so Fraktionsvorsitzender Wolfgang Metz auf TA-Nachfrage. " Um die Verbrennung der absoluten Restmengen kommen wir leider per Gesetz nicht umhin. Es sei denn, wir verschicken unseren Restmüll zum Verbrennen. " Das wird abgelehnt. Aber die SPD bringt eine Ergänzung in den Ratsentscheid am 24. April ein. Bei der Ausschreibung soll die Menge des zu verarbeitenden Mülls auf den tatsächlich nur in Erfurt produzierten Abfall und die kleinstmögliche Anlage dieser Art fest geschrieben werden.
Als aus Müll Abfall wurde SWE Stadtwirtschaft
feierte ihr Zehnjähriges Erfurt, (tlz) "Der Müllkutscher existiert nicht mehr", erklärte Stadtwirtschafts-Geschäftsführer Wolfgang Reisen gestern zum zehnjährigen Jubiläums- Festakt seines Unternehmens. Jetzt gibt es Abfallwirtschaftler, die sich um den Unrat der Stadt kümmern. Ihr täglich Brot verdienen in Erfurt inzwischen etwa 400 Menschen mit der Entsorgung. Zehn Jahre Stadtwirtschaft bedeuten nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Investition. Bis dato wurden etwa 150 Millionen Mark investiert, um den städtischen Entsorgungsbetrieb zu einem reibungslos funktionierenden Mechanismus zu machen. Die Zahlen sprechen bei dieser Bilanz für sich. Dank intensiver Abfallvermeidung und -verwertung ist es gelungen, den vor Einführung des Dualen Systems Deutschland (DSD) jährlich deponierten Müllberg von 80.000 Tonnen auf 49.000 Tonnen zu vermindern. Wer an einem der regelmäßigen Tage der offenen Tür die Deponie und die Wertstoffhöfe der Stadtwirtschaft besucht, wird verstehen, wie dieser Trick funktioniert: Biologische Abfälle werden kompostiert, Altfenster entglast, und und und. Auf der Deponie landet nur noch ein Minimum. Sie gilt jetzt als eine der zehn modernsten Deponieanlagen in Deutschland und kann bei weiterer Einschränkung des Müllaufkommens voraussichtlich noch bis 2040 genutzt werden. Seit 1992 weht in Sachen Entsorgung ein neuer Wind in Erfurt. Wie schwer dieser allerdings zu entfachen war, weiß Geschäftsführer Dietmar Schumacher noch ganz genau: "Wir mussten etwa 2 000 Gesetze wälzen, welche denn nun für uns zuständig sind. Und als wir dann die ersten Plastebehälter aufstellten, standen diese regelmäßig in Flammen, weil in Erfurt noch viel mit Kohle geheizt wurde und die Asche einfach in die Kübel entsorgt wurde." Auch der Wegfall des in der DDR bewährten Sero-Systems kam nur langsam in die Gänge. Aus 30 Glasbehältern, die 1990 erstmals aufgestellt wurden, sind inzwischen 120 Standorte mit 250 Papier und 250 Glascontainern geworden. Es werden jetzt mehr Altstoffe rückgeführt als vor der Wende.
Kein Interesse an Alternative Müllverbrennung: Gegner sind empört Erfurt, (tlz) Der Verein "
Bürger gegen Müllverbrennung in Erfurt " ist
empört: " Die Vortragsveranstaltung zu Fragen der
Restabfallbehandlung in Erfurt-Ost war der Versuch der
Stadtwerke Erfurt, die Entscheidung des Stadtrates
öffentlich zu legitimieren ", heißt es in einer
Mitteilung des Vereins. Und es wird festgestellt, dass die "
Show-Veranstaltung " wohl nicht wie geplant gelaufen sei. "
Obwohl sich die Vertreter der Unternehmen Gicon und Wibera,
deren Stellungnahmen und Gutachten Grundlage des
Ratsbeschlusses sind, reichlich Mühe gaben,
überzeugten sie nicht! " So gestand der Wibera
Vertreter ein, dass die Erstellung des Gutachtens nach
Vorgaben der Stadtwerke erfolgt sei. Recyclingverfahren oder
andere Verfahren als Alternative zur Müllverbrennung
seien nicht Gegenstand der Untersuchung gewesen und
würden demzufolge auch nicht bei der Ausschreibung der
Stadt zur Restabfallbehandlung berücksichtigt (TLZ
berichtete). " Die vollmundige Behauptung, es werde eine
'systemoffene Ausschreibung' erfolgen, wurde damit als
absoluter Nonsens entlarvt! ", heißt es in der
Erklärung der Müllverbrennungs-Gegner. Sie wissen:
Eine ausländische Firma hatte der Wibera ein Angebot
zur Restmüllentsorgung ohne Verbrennung gemacht. Sie
wurde von der Wibera aber mit der Begründung
abgewiesen, sie verfüge nicht über ausreichende
Erfahrungen - " insbesondere aus den Bereichen
Müllverbrennung und mechanisch- biologischer
Abfallbehandlung ". Zudem hätten Form-
Entsorgung zementiert Apolda. (tIz/Go) Es war ein Kreistag der schnellen Entschlüsse - auch wenn es die 25-minütige Diskussion allein um die Tagesordnung zunächst nicht vermuten ließ. Doch nachdem zwei Dringlichkeitsanträge zur Aufhebung von Kreistagsbeschlüssen - darunter der zur Haftbarmachung des Landrats - förmlich vom Tisch gefegt waren, lief es wie am Schnürchen. Vor allem der Beschluss zur Zweckvereinbarung über die Restabfallbehandlung ab Mitte 2005 war rasch gefasst: Einzig Holger Pietzsch (SPD) und Maunce Thys (PDS) stimmten dagegen, dass der Kreis seine zirka 20.000 Tonnen Restmüll jährlich von Mitte 2005 an in einer Erfurter Anlage behandeln lässt. Pietzsch bat sogar noch darum, seine Gegenstimme ins Protokoll aufzunehmen. Vor der Abstimmung räumte zwar auch Wolf-Dietrich Schäddrich (CDU) ein, dass diese Entscheidung ein Kredit in die Zukunft sei und niemand wisse, was nach 2005 kommt. Letztlich sei es aber richtig, dass sich der Kreis mit einem Partner verbündet habe. SPD-Fraktionschef Jürgen Kramer betonte, dass der Kreistag endlich einmal Flagge zeigen müsse, auch wenn er mit diesem Beschluss die Behandlung seines Restmülls bis zum Jahr 2020 " zementiere ". Anstoß nahm Kramer jedoch daran, dass die Müllvermeidung bei der Suche nach einer Lösung so gut wie keine Rolle gespielt habe. Als amtierender Landrat bewertete Klaus Eidam den Beschluss als richtig :" Alle Risiken können wir nicht ausschließen . Vielleicht bietet sich eines Tages in unmittelbarer Nachbarschaft eine kostengünstigere Möglichkeit - aber die Zeit für eine Entscheidung ist jetzt einfach reif . " Warum der Kreistag direkt nach dem Beschluss noch über eine gemeinsame Erklärung der Fraktionen des Kreistages abstimmte, wonach alle Fraktionen den Inhalt der Zweckvereinbarung tragen, bleibt indes das Geheimnis seiner Mitglieder. Mehrheitlich folgte das Gremium danach dem Vorschlag der SPD, Bernhard Grobe in den Aufsichtsrat der EGW zu entsenden. Der Chef der Kromsdorfer Erzeugergenossenschaft tritt die Nachfolge von Holger Pietzsch an. " Thüringer Allgemeine " 10. August 2002
Apoldaer Müll nach Erfurt ERFURT (TA). Mit dem Landkreis Weimarer Land hat die Stadt Erfurt bei der ab 2005 gesetzlich vorgeschriebenen Restabfallbehandlung einen weiteren Partner im Boot. Der Kreistag entschied sich am späten Donnerstagabend mit großer Mehrheit, eine entsprechende Zweckvereinbarung zu unterzeichen und folgt damit der Stadt Weimar. Beide liefern künftig ihren nicht verwertbaren Müll in die Landeshauptstadt, wo er nach einer vorgeschaltenen biomechanischen Behandlung verbrannt werden soll. Erfurt hält trotz aller Bürgerproteste und eines Bürgerbegehrens an der Müllverbrennung fest; die Gesetzeslage ließe nur den Mülltransport zu einer bestehenden Verbrennungsanlage zu. Die Gebühren werden drastisch steigen, warnen Kritiker.
Diskussion mit Fachleuten ERFURT (me). Zu einer
Informationsveranstaltung hatte der Verein "Bürger
gegen Müllverbrennung in Erfurt e.V." gestern Abend in
das evangelische Gemeindezentrum in der Roten-Berg-Siedlung
eingeladen. Gut 60 interessierte Erfurter nutzten das
Angebot.
Dank Schleuse weniger
Restabfall Roter Berg. (tlz) Krebs, Herz- und Lungenerkrankungen, Missbildungen bei Neugeborenen: Das und mehr weist die Greenpeace-Studie " Müllverbrennung und Gesundheit " als Auswirkungen der Schadstoffe aus, die beim Betrieb von Müllverbrennungsanlagen entstehen. Prof. Hans-Peter Klöcking, Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie, leitete mit Erklärungen zu der Studie den Donnerstagabend ein, den der Verein Bürger gegen Müllverbrennung in Erfurt im Gemeindezentrum Hammerweg nutzte, um einmal mehr gegen den Bau einer kombinierten Restabfallbehandlungsanlage (mechanisch-biologisches und thermisches Verfahren) in der Stotternheimer Straße, am Standort des alten Heizkraftwerks, mobil zu machen. Ein Standort, gegen den sich als einziger der umliegenden Ortsteile der Ortschaftsrat der Sulzer Siedlung per Beschluss ausgesprochen hat. Nach Klöckings Ausführungen können Menschen noch in einem Umkreis von zehn Kilometern von einer Anlage Schäden davontragen. Durch Dioxin, Schwefeldioxid, Chlorwasserstoff, Cadmium, Blei, Quecksilber und andere Stoffe, die zwar von Filtern zurückgehalten werden sollen, sich aber zum Teil an den feinen Filterstäuben anlagern können und über die Luft in die Lunge gelangten, sagte Klöcking. Der auch den Begriff " Grenzwerte " relativierte: Das seien technisch machbare Daten, bei deren Festlegung nicht der schädigende Aspekt im Vordergrund stehe. Zudem lagerten sich die Schadstoffe in Filterasche und Schlacke ab - die wiederum würden deponiert, könnten in Boden und Grundwasser gelangen. Es sei versucht worden, sie einzuzementieren, sagte der Arzt - das habe aber nur verzögernden Effekt. Einräumen musste Klöcking, dass die Ergebnisse der Greenpeace-Studie zehn Jahre alt sind und auf Untersuchungen beruhen, die außerhalb Deutschlands gemacht wurden. Wissenschaftlich ernst zu nehmen sei die Studie aber in jedem Fall. Sehr gute Chancen, gegen die in Erfurt geplante Anlage vorzugehen, sieht Rechtsanwalt Klaus Kali. Vorausgesetzt, möglichst viele Menschen werden mobilisiert, um Einwände vorzubringen, wenn die entsprechenden Unterlagen öffentlich ausgelegt werden. Als Beispiel nannte er eine Anlage in der Nähe von Zwickau, in der Haus- und Sondermüll verbrannt werden sollten." Sie wird nicht gebaut, die Landesregierung hat eingelenkt ", sagte Kali, der dort ebenfalls eine Bürgerinitiative vertreten hat. Erfolgreich sei gewesen, dass etwa 1000 Menschen ihre Einwände vorgebracht hätten - eine Woche lang habe das Erörterungsverfahren gedauert, bei dem sie abgewägt wurden. Zu diesem Verfahren werde jedoch nur zugelassen, wer vorher Einwände gemacht habe - ein Prozess, den er gemeinsam mit der Initiative in die Hand nehmen will, sobald die Unterlagen zur Restabfallbehandlungsanlage ausliegen: Der Termin wird dem Amtsblatt zu entnehmen sein. Dass Müllvermeidung gut funktionieren kann, zeigte Dr. Hein H. W. Preuß aus Löbau-Zittau auf. Von 1990 bis 2000 wurde dort der Restabfall auf 89 Kilogramm pro Einwohner und Jahr gesenkt - in Erfurt seien es derzeit noch 300 Kilogramm. Geschafft worden sei das mit der entsprechenden Satzung: Alle 14 Tage werde Hausmüll entsorgt - jeder müsse seine Tonne aber nur bei Bedarf bereitstellen und zahle, was bei ihm tatsächlich entsorgt worden sei. Hinzu komme die "Zittauer Müllschleuse" für Großwohnsiedlungen: Bezahlt werden muss jedesmal, wenn Müll in die Tonne gegeben wird. Folge: Statt 230 Kilogramm pro Einwohner und Jahr fielen jetzt nur noch 30 Kilogramm an. Hohe Fehlwurfquoten bei der Gelben Tonne hätten die Bürger ebenso nicht gelten lassen wollen und sich bei der Sortieranlage vor Ort informiert. " Vieles, was als Fehlwurf deklariert wird, besteht aus dem gleichen Material wie Dinge, die den Grünen Punkt tragen ", sagte Preuß. Sein Fazit: Warum sollte so etwas nicht ebenfalls verwertet werden, wenn es stofflich dasselbe ist? Unterschied: Die Entsorgung von Plasteschüsseln beispielsweise sei nicht schon von den Bürgern über den Ladenpreis vorfinanziert, bei dem die Entsorgung durch das Duale System Deutschland mit zu Buche schlage.
Per Betonzange abknabbern
(Auszug) Die Abrissarbeiten auf dem Areal sollen neue Flächen für Investoren schaffen sowie Platz für die geplante Restabfallbehandlungsanlage. Keine Müllverbrennungsanlage, betonte Dr. Möldner auch gegenüber dem Verein Bürger gegen Müllverbrennung. Sie machten gestern als Anwohner auf befürchtete Probleme aufmerksam und bekamen eine Zusage für weitere Gespräche.
Demontage statt Sprengung
(Auszug) Wer sich letztendlich in unmittelbarer Nachbarschaft des Kraftwerks niederlassen wird, Blieb gestern noch offen, Fest stehe lediglich, dass ein Teil der Fläche von der umstrittenen Restabfallbehandlung in Anspruch genommen wird. Gegen diese demonstrierter gestern mit Plakaten Vertreter des Vereins Bürger gegen Müllverbrennung in Erfurt" die gegen das Vorhaben vor Gericht ziehen wollen. Von Müllverbrennung will man bei den Stadtwerken nicht reden. Der Müll werde mechanisch aufgearbeitet, der Rest "energetisch behandelt".
Ein kleiner Aufschlag » Nordthüringen
entscheidet heute über die In Nordthüringen wird heute erneut über die künftige Müllentsorgung abgestimmt. Dabei geht es um kommunale Eitelkeiten, eigenartige Zahlungsmodalitäten und Verflechtungen, die mit der eigentlichen Müllentsorgung rein gar nichts zu tun haben.
Es gibt immer weniger
Müll in Thüringen, so die jüngste
Abfallbilanz des Umweltministers. Trotzdem stehen
millionenschwere Investitionen an. Denn ab 2005 darf
Müll nicht mehr einfach auf die Deponie gekippt werden.
In Nordthüringen werden dafür zwei Varianten
diskutiert: Müllexport nach Sachsen- Anhalt in eine
Verbrennungsanlage der Firma Rethmann. Oder die
Aufrüstung der Deponie in Nentzelsrode bei Nordhausen
mit einer mechanisch-biologischen Vorbehandlungsanlage.
Fördergelder für Müll verlangt LANDTAG
|